Therapie &
Praxis

 

Need assistance!

Können Assistenten die Therapieberufe entlasten?

 

Einhergehend mit der Alterung unserer Gesellschaft mangelt es in Kliniken heute in der Regel nicht an Patienten, sondern an qualifiziertem Fachpersonal. Ausnahmslos stehen Gesundheitseinrichtungen vor der Herausforderung, mit knapper werdenden Ressourcen mehr leisten zu müssen. Ein Widerspruch in sich? Nicht unbedingt. Aber die Veränderungen erfordern innovative Versorgungskonzepte und neue Strukturen in Kliniken.

Text: Jakob Tiebel
  

Immer häufiger wird in Fachzeitschriften berichtet, dass sich mitunter ganze Aufgabenbereiche in Kliniken verlagern. Physiotherapeuten, die gestern noch Patienten zu Mobilisierungsübungen animiert haben, übernehmen heute mehr und mehr steuernde und koordinierende Aufgaben, während Therapieassistenten die Patienten zum Schwitzen bringen. Natürlich nach einem vorgegebenen Plan, den die Fachkraft zuvor auf Grundlage eines Befunds erstellt hat.

Ist das die Zukunft interprofessioneller Zusammenarbeit in der Rehabilitation?

Zumindest deutet vieles darauf hin, denn Fakt ist, dass der zunehmenden Komplexität in der Versorgung nicht mit der Beschäftigung von mehr Fachkräften begegnet werden kann. Sie fehlen schlichtweg und selbst wenn sie da wären, gäbe es aus gesundheitsökonomischer Sicht klare Grenzen. Die Lösung scheint demnach wirklich in einer neuen Aufgabenverteilung zu liegen.

Fingerspitzengefühl und gute Planung gefragt

Solche Umstrukturierungen wecken aber auch Begehrlichkeiten und können Widerstände erzeugen. Die Changeprozesse sind also keineswegs trivial. Es bedarf viel Fingerspitzengefühls und genauer Planung. Die Schnittstellen zwischen Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Therapieassistenzen müssen ganz neu und vor allem sehr präzise abgestimmt werden. Dann können Assistenzkräfte ein großer Gewinn sein – nicht zuletzt für Patienten, da insbesondere ihnen dadurch die Aufmerksamkeit geschenkt werden kann, die sie benötigen.

Wenn die Rechnung aufgeht, profitieren am Ende alle. Ärzte sind entlastet, weil sie sich auf die medizinische Versorgung konzentrieren können. Therapeuten übernehmen mehr die Verantwortung für den Rehabilitationsprozess und die Assistenzkräfte sind zufrieden, weil sie eine spannende und interessante Funktion zwischen Therapeut und Patienten einnehmen.

Ein Modell ohne Risiken?

Die richtige Umsetzung vorausgesetzt ergeben sich sicher weit mehr Chancen als Risiken. Für Therapeuten gehen die Erweiterung des Kompetenzbereiches und die Übernahme von mehr Verantwortung jedoch mit einer klaren Forderung einher: Maßnahmen, die angesetzt werden, müssen evidenzbasiert und in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen sein! Ansonsten besteht die Gefahr, sich unglaubwürdig zu machen und in Kritik zu geraten.